16.03.-23.03.2019
Flugreise mit Geo nach Gran Canaria

Was für Menschen die Fastenzeit zwischen Karneval und Ostern bedeutet, ist in etwa mit dem zu vergleichen, was für mich das halbe Jahr „Abstinenz“ bedeutet, zwischen meinem und Geos Geburtstag keine Reise gemacht zu haben. Doch irgendwann findet jede Abstinenz ihr Ende und der Genuss hinterher ist umso größer. Diesmal sollte dieser Genuß also der Besuch von Gran Canaria sein. Wir wollten schon einige Male dahin, aber jedesmal erschien uns der Preis zu hoch und wir verschoben es auf später. Dass wir die diesmal diese Reise bereits am Neujahrstag buchten, hing zum einen mit dem Frühbuchrabatt, aber auch damit zusammen, um eingangs erwähnte Abstinenz etwas abzumildern. Die Vorfreude wird nämlich dann erst so richtig groß, wenn man ein konkretes Ziel vor Augen hat. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Mit den Kanarischen Inseln verbindet mich noch eine andere Besonderheit. Denn viermal verschiedene Inseln besucht, war ich jedes Mal mit einer anderen Frau dorthin unterwegs. Auf Fuerteventura und La Palmas mit je einer anderen Freundin und auf Teneriffa mit meiner Tochter. Nun also mit meiner Frau auf Gran Canaria. So gesehen werde oder darf ich mit Geo keine der noch verbliebenden drei Inseln erkunden... Aber so ernst nehme ich das Ganze dann doch wieder nicht…

Wie schon bei den meisten der anderen Reisen legen wir keinen Wert, auf einen „geführten“ Urlaub, also mieden erneut die typischen Touristenorte, sondern suchten ein Hotel inmitten der „echten Welt“, diesmal also in der kanarischen Hauptstadt Las Palmas, die mit über 300.000 Einwohnern gleichzeitig die größte der Inseln ist. Wir wollten erst eine Ferienwohnung buchen, doch da wir mitten in der Nacht ankommen würden, entschieden wir uns für ein bescheidenes kleines Hotel, dessen Zimmer defacto einer Ferienwohnung glichen, nur dass es eine 24-Stunden-Rezeption gibt. Also mit eigener Küche und ohne Frühstück. Der Preis war in Ordnung und die Wohnung sogar schöner als die von Malaga oder Rom. Doch dazu später mehr.

Anreise und Ankunft

Billigflieger haben meist „unangenehme“ Flugzeiten, doch diesmal waren wir ganz froh darüber, denn so konnten wir an diesem Samstag in aller Ruhe die Koffer packen und die Wohnung sauber machen (ein Ritual, das wir sonst am Tag davor machen müssen). Auch für ein Essen in aller Ruhe reichte es, ehe wir am Nachmittag aufbrachen und per Straßen- und S-Bahn gen Kölner Flughafen machten. Unterwegs sammelten wir wieder diverse unangehme Erfahrungen mit der „Generation Z“, also den jungen Menschen unter 20. Die, die aktuell so verantwortungsvolle Demonstrationen für „Friday for future“ ins Leben rufen. „On Saturday we don’t care“ könnte man hinzufügen, denn in unserer Nähe in der Bahn saßen Vertreter von eben dieser Generation. Die einen unterhielten sich in einem niveaulosen Deutsch, bar jeden Respekts. In der anderen Bahn waren junge Männer unterwegs, die brüllten, gegen die Bahntür traten und sich noch respektloser benahmen. Erlebnisse, die wir in einer Woche Gran Canaria nicht ein einziges Mal machten. Wieso denn bloß? Wir waren jedenfalls froh, endlich den Flughafen erreicht zu haben, denn hier herrscht noch eine Oase der „achtsamen Ruhe“, sicher gewährleistet durch Sicherheitsdienst und Polizei. Wir hielten uns nicht lange außerhalb des Security-Bereichs auf, kauften nur Zigarillos, tranken ein (mitgebrachtes) Sektchen und machten eine „Abschiedsraucherpause“. Dann begaben wir uns in die „Blase“ (der Glückseligkeit), die ich stets so nenne, weil innerhalb des Security-Bereichs kein nervendes Geschrei oder respektloses Benehmen zu erleben ist, sondern (für deutsche Verhältnisse) recht angenehme Menschen, viele von ihnen mit voller Vorfreude auf den anstehenden Flug – weg von dem drögen deutschen Alltag. Außerdem duftet es überall so gut und in den Geschäften wird einem suggeriert, dass das Leben einfach nur schön ist…

Wir hatten viel Zeit, die durch das Schlendern durch die (wenigen) Geschäfte, einem Imbiß oder einer Raucherpause in der unerträglichen „Raucherzelle“ nur wenig geschmälert wurde. Dass man Raucher-Bereiche auch viel „humaner“ gestalten kann, erlebten wir auf dem Istanbuler Flughafen. Oder eben auch auf dem von Gran Canaria, wo es sogar eine große Terrasse gibt, von der man den ganzen Flughafen überschauen kann. Immerhin führten wir in der besagten Raucherkabine des Kölner Flughafens ein interessantes Gespräch mit einem deutschen Auswanderer, der auch nach Gran Canaria flog. Er erzählte von dem tollen Leben, das er im Süden der Insel mit seiner Frau führt, von seinem erfolgreichen Job als Metallschlosser („deutsche Wertarbeit wird auf der Insel noch geschätzt“). Und auch, dass man die spanische Sprache schnell gelernt hat. Als ihn aber Geo auf Spanisch etwas fragte, konnte der bis dahin nette Typ kein einziges Wort verstehen, geschweige denn antworten. Also wohl doch nur ein kleiner Schaumschläger. Deshalb nahmen wir ihn auch nicht mehr so ernst, als er von unserer Fehlentscheidung sprach, den Urlaub im Norden der Insel zu verbringen. Denn das Wetter dort wäre wesentlich schlechter als im Süden und man müsse schon Glück haben, in der Hauptstadt Las Palmas mal kein Regen, geschweige denn Sonne, zu haben. Zum Glück war es dann bei Weitem nicht zu, wenngleich wir den Kontrast zwischen Nord und Süd auf dieser kleinen Insel am eigenen Leibe erfahren und bestätigten konnten.

Endlich startete der Flieger von Ryanair und das auch noch pünktlich. Auch wenn diese Fluglinie stets Werbung "von 90 Prozent pünktlicher Flüge" macht, erlebten wir eine pünktliche Ryanair bislang nur einmal. Von bislang sechs Flügen. Nun also das zweite Mal. Auch das „Publikum“ im Flieger war diesmal angenehm, selbst das Person „spielte mit“. Dennoch wird für mich ein Flug von fast fünf Stunden stets zur Qual. Am Ende weiß ich gar nicht mehr, wie ich mich setzen soll, denn der Körper scheint während der Stunden voller Enge total verzogen zu sein. Da half auch der Wein nicht mehr, den wir eigens gegen diese "Qual" tranken und um damit müde zu werden. Immerhin ging es schon auf Mitternacht zu. Doch mehr als ein ständig wechselnder Sekundenschlaf war nicht drin. Die Zeit schien stillzustehen, doch das genaue Gegenteil war der Fall. Denn als wir auf Gran Canaria kurz vor 23 Uhr landeteten, war es schon fast Mitternacht. Denn auf den Kanarischen Inseln befindet man sich bereits in der nächsten Zeitzone.

Der Flughafen von Gran Canaria ist wenig beeindruckend. Die wenigen Menschen, die noch zu sehen waren, verteilten sich rasch auf die Busse der Reisegesellschaften, doch wir mussten ein Taxi nehmen. Obwohl unsere Erfahrungen auf Malta oder Istanbul keine schlechten waren, habe ich bei so einer „Aktion“ stets ein ungutes Gefühl, also Angst, abgezockt zu werden. Denn in Dubai ist uns vor Jahren eben das mal passiert und wir bezahlten (das war auch in der Nacht) den dreifachen Preis. Aber diesmal war alles in Ordnung, sogar noch mehr: obwohl nachts der Taxitarif nach Vorabrecherchen höher ausfällt, bezahlten wir nach unserer Ankunft am Hotel inmitten der Stadt sogar nur den Normaltarif. Also 35 Euro, exakt die Summe, die ich vorab (allerdings als Tagestarif) ausgerechnet hatte. Unsere leichte Panik, als der Taxometer gefühlt viel zu schnell getaktet war, war also unbegründet. Und ich gab dem Taxifahrer voller Erleichterung gleich fünf Euro Trinkgeld. Was einem einfach fällt, wenn man im Geiste schon bei 50 bis 60 Euro angelangt war…

Im Hotel wurden wir schon erwartet, denn die ältere Frau (wohl die Besitzerin) hatte ich online vorab schon die Ankunftszeit mitgeteilt. Die ja dank der Pünktlichkeit des Fluges auch ziemlich exakt hinkam. Zum Glück hatte ich Geo mit dabei, denn die Dame konnte kein Deutsch und wohl auch nur karges Englisch. Sicher wird das in diese Hotel nicht wirklich gebraucht, denn hierher „verirren“ sich wohl nur Spanier und keine echten Touristen… Wer will schon in einer Straße untergebracht sein, wo Prostituierte unterwegs sind und auch sonst alles eher wenig vertrauenserweckend wirkt? Aber auch hier hatte ich vorab schon recherchiert und schnell herausgefunden, dass die Gegend ansonsten absolut „safe“ ist. Und so war es dann ja auch.

Das Hotel „Bajamar“

Unser Hotelzimmer in Las Palmas de Gran Canaria

Schon einiges darüber erzählt, will ich trotz der eher „trüben“ Umgebung nicht vergessen zu erwähnen, dass die Lage dennoch alles andere als schlecht war. Denn zwei Straßen oder 300 Meter weiter befindet man sich bereits am besten und bekanntesten Strand der Stadt namens „Playa de Las Canteras“. Auch wenn der Strand den Namen eines Steinbruchs trägt („cantera“ heißt nämlich übersetzt "Steinbruch"), ist er doch gerade wegen seiner erst vor kurzem renovierten Strandpromenade sehr ansehnlich. Dabei ist der Großteil des Strandes ob seiner Wellen weniger für Baden, sondern vor allem für Surfen, geeignet. Zahlreiche Surfschulen besiedeln denselben, so dass man Hunderte von Surf-Amateuren bewundern (oder belächeln) kann. Auf der anderen Seite des Hotels gelangt man fast ebenso schnell in das Stadtzentrum der Neustadt, wo die besten Geschäfte der Stadt zu finden sind, wobei diese natürlich nicht das Niveau von Barcelona oder Madrid haben, auch wenn man einige hübsche Läden durchaus finden kann. Absolut besuchenswert ist dabei das Kaufhaus „Corte Ingles“, wo man fast alle bekannten Modemarken treffen kann. Hier befindet sich auch die Avenida Josè Mesa y Lòpez befindet, die die Luxusstraße der Insel schlechthin darstellt. Aber zurück zum Hotel.

Die Hotelzimmer des besagten Hotels entsprechen eher Ferienwohnungen. Die integrierte Küchen befinden sich in einem ausgezeichneten Zustand, zudem gab es alles an notwendigen Geschirr und Besteck, einschließlich Dosenöffner und Korkenzieher. Dusche, Doppelbett und sogar zwei TV, sowie gut aufgeteilte Räumlichkeiten runden das mehr als preiswerte Angebot ab. Dazu, was uns sehr wichtig war, hatte unser Zimmer, das sich in der zweiten Etage befand, einen kleinen (französischen) Balkon, von dem aus man einen guten Blick über die Umgebung und sogar einen kleinen auf das Meer hatte. Hier begannen und beendeten wir den Tag mit einer „sinnlichen“ Zigarillo, einer Tradition, wie wir sie auf fast jeder Reise zelebrieren. Die Wohnung war stets sehr sauber und die Putzfrau derart fleißig (manchmal auch nervig, da sie in den benachbarten Räumen fast stundenlang Lärm „generierte“), dass wir ihr zweimal fünf Euro Trinkgeld auf das Bett legten. Wir sind sicher, dass sie so etwas von anderen Gästen so gut wie nie erlebt, schon gar nicht in dieser Höhe. Doch seit Geo im Hotel arbeitet, weiß sie zu schätzen, dass solche Gesten einem etwas Licht in das traurige Leben einer Angestellten bringen kann. Und was wir seither auch in jedem Hotel so machen. Manchmal bedanken sich die Angestellten (Istanbul, Havanna), aber diesmal nicht. Doch da wir Gran Canaria als einer Stadt voller eher armer Menschen erlebt haben, fällt uns diese Geste dennoch leicht.

Einziges Problem im Hotel sind die dünnen Wände neben und über einem. Zum Glück benahmen sich die anderen Gäste recht friedlich, so dass es ziemlich ruhig blieb. Aber wenn „Umzüge“ oder halt Putzarbeiten anstanden, war es schon einige Male recht laut. In den letzten zwei Nächten zogen zudem über uns wohl eine Familie mit Kindern ein, die bis Mitternacht mit ihrem Trappeln und Springen uns dazu nötigten, die Ohren mit Stöpseln zu „versiegeln“. Aber auch hier gilt: nichts ist perfekt und bei einem günstigen Preis muss man auch mal Kompromisse eingehen.

Las Palmas de Gran Canaria – Stadt und Leute

Eindrücke aus Las Palmas

Der erste Eindruck von Las Palmas war ein mürrischer stummer Taxifahrer, der aber trotzdem hilfsbereit war und eine Hotelchefin, die äußerst herzlich und kommunikativ war. Ihr Sohn, der tagsüber die Rezeption besetzte, war hingegen wieder unfreundlich und wortkarg. Am Cafe am ersten Morgen trafen wir hingegen einen Cafebesitzer, der äußerst aufmerksam, schweigsam, aber sehr dienstbeflissen war. Und so ging es immer weiter. Unfreundlichkeit wechselten mit Freundlichkeit, Arroganz mit Hilfsbereitschaft ab. Und obwohl Geo die Menschen eher als abweisend empfand, brachte ich es besser auf den Punkt: „Die Menschen hier sind in ihrer Art ähnlich der deutschen Mentalität – nur eben mit Herz…“. Mir sind Leute lieber, die einem zeigen, wenn sie etwas nicht mögen als Menschen, die lächelnd so tun als würden sie mögen was sie hassen. Aber das Thema führt hier zu weit und soll nicht zu einem philosophischen Exkurs führen. Fakt ist: wenn man jemand nach etwas fragte oder bat, erlebten wir kein einziges Mal, dass man uns nicht sofort half oder dass uns jemand ignorierte. Im Gegenteil: kaum, dass man Antwort erhielt, „mischten“ sich meist auch andere ein, um uns ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Umso trauriger ist es, wenn man die Kanarischen Inseln über die Jahrzehnte erlebt hat und nun feststellen muss, dass gerade hier die letzte Krise deutliche Spuren hinterlassen hat. Viele Häuser und Wohnungen sind in einem erbärmlichen Zustand und die Masse der Menschen arm oder nahe am Rand der Armut. Die total mit parkenden Autos verstopften Straßen machten ebenfalls deutlich, dass sich hier nahezu keiner ein gutes oder neues Auto leisten konnte. Was aber auch ohne Garage keinen Sinn macht, da Salz und Wind (vom nahen Meer) nach geraumer Zeit dem Lack heftigen Schaden zufügt. Und trotz der Armut erlebten wir weder aggressive oder bösartige Menschen noch lästige Bettler. Zwar gab es fast an jedem Supermarkt ein oder zwei Personen, die um Geld bettelten, aber kein einziges Mal wurden wir von ihnen um Geld angesprochen. Alles macht eher einen devoten Eindruck, so als würde man sich ohne Murren seinem Schicksal fügen. Und so verwundert ebenfalls nicht, dass die Preise auf der Insel fast nur halb so hoch wie in Rom sind. Äußerst preiswert also.

Wie schnell man sich in dieser Stadt integrieren kann, sei an einem Beispiel gut erklärt. Als wir am ersten Morgen in das erste Cafe, das wir vom Hotel aus fanden, gingen, machte alles erst einmal einen eher trísten Eindruck. Auch der Cafèbesitzer wirkte eher abweisend, doch kaum verwickelte ihn Geo in ein Gespräch, wurde er sehr kommunikativ und freundlich. Und so kamen wir immer wieder hierhin, bestellten zum Kaffee noch einen Rum und staunten nicht schlecht, dass ein Cappuccino, ein Cafe con leche und zwei doppelte Rum (Havanna Club) gerade mal 6,30 Euro kosteten. Wir rundeten die Rechnung dann stets auf zehn Euro auf, was den Besitzer so rührte, dass er uns am letzten Tag einlud und wir nichts bezahlen durften. Besonders rührend war der Abschied auch an diesem letzten Morgen, weil wir den sensiblen Hünen so liebgewonnen hatten, eine Flasche Martini überreichten. So etwas hatte er wohl noch nie erlebt. Wir vermuteten, dass er zu Tränen gerührt wurde, denn nach einer herzlichen Umarmung machte er sich sofort davon und war nicht mehr zu sehen. Das alles machte uns den Abschied nicht leichter, aber sehr wohl die Vorstellung, hier vielleicht mal leben zu wollen. Gutes Klima, preiswert und bescheiden-ehrliche Menschen.

Unsere Aktivitäten
Am Strand von Las Palmas

Am Morgen des ersten Tages weckten uns sanfte Sonnenstrahlen und kamen uns in dem Wunsch entgegen, diesen Tag zur Erkundung der Playa de las Canteres, also des berühmtesten Strandes der Insel, und dessen Umgebung zu nutzen. Es war Sonntag, die Geschäfte geschlossen, und so hatten wir keinerlei Druck, uns zu beeilen. Wir eröffneten den Tag mit dem Finden und Besuchen eines Cafes in der Nähe des Hotels, das wir dann jeden Tag zur ähnlichen Zeit besuchen und so jeden Tag des Urlaubs beginnen sollten. Mäßiger Wind machte die zunehmende Sonne sehr erträglich. Dass dieser Tag mit bis zu 29 Grad der wärmste in Las Palmas sein würde, ahnten wir zum Glück noch nicht. Vom Cafe (wie auch vom Hotel) war der Strand nur einen Katzensprung entfernt. Und mit Sonnenbrille „maskiert“, liefen wir erst den Strand bis zum Ende in nordwestlicher und dann zurück bis zum südöstlichsten Punkt entlang. Zwischendurch tranken wir mal ein Bier, rauchten eine Zigarillo und beobachteten vor allem das Treiben am Strand, das in der kanarischen Hauptstadt vor allem aus „Lehrlingen“ zahlreicher Surfschulen besteht. Lustig waren deren Trockenübungen und ersten Aktivitäten auf dem Surfbrett in den Wellen anzusehen. Aber auch einige Badegäste waren auszumachen, die es trotz des für Südländer kühlen Wassers von weniger als 20 Grad gab. Vielleicht waren es auch Touristen, doch von ihnen gab es während unseres Aufenthaltes eher wenige. Las Palmas ist zum Glück davon noch sehr verschont geblieben. Die Einheimischen haben den Strand fest in ihrer Hand und versuchen, ihren aktuell doch eher kargen Mitteln zum Trotz, dort ein gutes Bild abzugeben. Neben einigen Joggern wird die Strandpromenade vor allem zum Flanieren genutzt. Und wir taten es ihnen gleich und, obwohl wir und an diesem Tag fast nur am Wasser aufhielten (in selbiges hinein gingen auch wir nicht), legten wir dennoch über 13 km zurück – die größte Tageslaufstrecke in unserem Urlaub überhaupt. Am Abend machten wir dann noch einen Abstecher in die Neustadt, wo wir um den Plaza de España herum aber kein nettes Restaurant fanden und so noch einmal zum Strand zurückgingen, um dann halt dort zu Abend zu essen.

Auch am nächsten Tag hielten wir uns nur in der Nähe unserer Unterkunft auf, diesmal aber, um in der Neustadt die zahlreichen Geschäfte zu „besuchen“. Es ging dabei weniger um Shoppen und Kaufen, sondern einfach darum, nach Schnäppchen und besonders schönen spanischen Textilien Ausschau zu halten. Dass wir am Ende des Tages fast nichts gekauft hatten, störte uns nicht. Der Genuß, sich fast alles leisten zu können, ohne es tun zu müssen, begleitet uns und lässt Frust oder Enttäuschung erst gar nicht aufkommen. Edle Markenklamotten oder seltenen Schmuck findet man auf den Kanaren ohnehin eher selten bis gar nicht, von daher ließen wir es auch hier von Anfang an ohne Druck und sehr ruhig angehen. Einzig Geos Hoffnung, einen kleinen Diamantpiercing für ihr neu gesetztes Ohrloch zu finden, machten den Einkaufsbummel etwas spannend. An diesem Tag verlief aber auch dies ohne Ergebnis. Immerhin klappte es dann tags darauf damit doch noch. Und ich hatte neben meinem eigentlichen Geburtstagsgeschenk für meine Frau, das ich ihr in Form einer hübschen Automatik-Armbanduhr schon einen Monat zuvor gekauftt hatte, doch noch ein weiteres, das ich ihr dann um Mitternacht an ihrem Ehrentage überreichen konnte.

Die „vornehmste“ Einkaufsstraße der Insel ist übrigens die Avenida „Mesa Y Lopèz“, wo man dann doch noch einige vor allem elegante Damen erblicken kann. Ein Anblick, den man selbst an der Strandpromenade eher selten sieht. Wie gesagt, geht es den Menschen auf der Insel eher schlecht als recht und ist überhaupt nicht mit der Zeit vor der Finanzkrise zu vergleichen. Das kann ich deshalb recht gut einschätzen, da ich ja davor bereits dreimal auf den Kanaren weilte. Und im Gegensatz zum spanischen Festland hat man auf diesen Inseln auch jetzt noch nicht das Gefühl, das es langsam wieder bergauf geht. Bautätigkeiten oder edle Gebäude sind kaum auszumachen und so bleibt es nur zu hoffen, dass sich das bald wieder ändert.
Die Altstadt von Las Palmas

Am Dienstag verbrachten wir den dritten Tag in der Hauptstadt und schauten uns diesmal die Altstadt an, die vom Strand immerhin gut drei bis vier Kilometer entfernt liegt. Und so nahmen wir erstmals den Bus, der in Las Palmas gelb eingefärbt ist. Da es zwei voneinander unabhängige Busgesellschaften gibt, muss man leider meist umsteigen, wenn man über Land fahren will. Alle Stadtbusse treffen sich in San Telmo, wo der Busbahnhof der anderen Busgesellschaft liegt, die man an ihren türkisfarbenen Outfit erkennt. Für 2,80 Euro stiegen wir am Plaza de España zu und in San Telmo wieder aus. Von dort kommt man in wenigen Schritten schon in die Altstadt, die aber ob der Größe der Stadt eher enttäuschend klein ist. Eigentlich kann man diese nur einen Umkreis von einigen hundert Metern um die Kathedrale Santa Ana so bezeichnen. Da auch die Kathedrale wenig beeindruckend anzusehen ist, hatten wir binnen einer Stunde inclusive einer längeren Pause alles schon abgewandert. Auf einer Bank beobachteten wir einige spanische Schulklassen und gingen dann zurück zur „moderneren Altstadt“, die an der Einkaufsstraße Triana entlangführt. Vorab als sehenswerte Einkaufsstraße ausgewiesen, fanden wir die Geschäfte eher nicht betretenswert. Lediglich in einem Goldgeschäft probierte Geo einige Piercings für ihr Ohr an, aber außer blutigen Erfahrungen war auch hier nichts zu holen (sie waren zu groß für das Ohrloch). Und da wir in der Zeit noch viel zu früh lagen, entschieden wir uns, für den Rückweg nicht den Bus, sondern die Füße, zu nehmen, was dann am Ende doch noch eine – im wahrsten Sinne des Wortes – langwierige # Angelegenheit wurde. Da mich seit dem Morgen schon Bauchschmerzen quälten und ich daher seit dem Abend zuvor nichts gegessen hatte, machten wir in einem netten Cafe nahe des Stadtkrankenhauses eine Rast, wo ich mir eine kleine Gemüsesuppe einverleibte. Die Leute waren überaus freundlich, was - wie mehrfach bereits erwähnt - in der Stadt eher ein seltener Anblick ist. Vermutlich lag es am Leben und Sterben lassen am benachbarten Krankenhaus, doch wir dachten nicht weiter nach und nahmen die nächsten zwei Kilometer bis zur Neustadt in Angriff. Endlich dort angekommen, madhten wir im Kaufhaus "Corte Ingles" noch einmal einen Abstecher, um doch noch einen Diamant-Piercing für Geo zu erwerben. Da wir zwei Tage zuvor einen entdeckt hatten, schlugen wir nun halt zu. Besser gesagt ich, denn ich wollte ihn um Mitternacht Geo als (zweites) Geburtstagsgeschenk überreichen. Diesen Abend gingen wir nicht ins Restaurant, weil wir ob der Lauferei völlig müde waren, sondern kauften im Supermarkt noch einige Dinge ein, die wir in der Küche unserer Ferienwohnung zubereiteten.

Kaum eingeschlafen, wurde Geo schon wieder geweckt, denn sie wurde in der ersten Sekunde des neuen Tages 39 Jahre alt. Wenn man es nicht wüsste, würde man es nicht glauben. Denn Geo sieht für ihr Alter und ihres Knochenjobs immer noch mehr als makellos, jugendlich und faltenfrei aus. Und das ganz ohne „Nacharbeiten“… Da hat sie sich zwei Geschenke und eine Auslandsreise mehr als verdient… Und entsprechend dem Ereignis verließen wir an diesem Mittwoch erstmals die Hauptstadt, um den inzwischen windig-kühleren Temperaturen in Las Palmas zu entfliehen und zu prüfen, ob es stimmt, dass es nur wenige Kilometer weiter im Süden ein komplett anderes, viel heißeres, Klima gibt. Und dem war auch so.

Mit dem türkisfarbenene Überlandbus ging es auf der Autobahn, am Flughafen vorbei, nach Maspalomas, das wir schon nach 40 Minuten erreicht hatten. Bereits nach 30 km (unmittelbar südlich des Airports) wurde es tatsächlich spürbar wärmer, vor allem aber sonniger. War der Himmel im Norden an diesem Tag fast völlig bedeckt, hatten wir bis zum Abend, als wir am Strand im Süden die Zeit verbrachten, kein einziges Wölkchen ausgemacht. Es war sonnig und richtig heiß und bei über 30 Grad bereute ich es, keine Sonnencreme mitgenommen zu haben. Bei grauen 21 Grad in Las Palmas hat man so etwas halt schnell mal vergessen...

Doch schon lange bevor wir am, bei den Touristen berühmten Dünenstrand Playa de Inglés, anlangten, gab es noch eine andere „Sehenswürdigkeit“ zu „bestaunen“, nämlich das riesige „Touristenghetto“ von San Augustìn und Maspalomas. Hotels, Bungalows und Ferienhäuser reihten sich endlos aneinander. Freie Flächen Fehlanzeige. Mittendrin Massen von Touristen, die in dem stets gleichen Strandlook, inclusive Badesandalen, wie in Trance durch die Straßen stolperten. Eine komplett andere Welt als die nördliche Insel.
Am Strand von Maspalomas

Die fast ausschließlich von Touristen bevölkerte Südhälfte Gran Canarias hat so gut wie gar nichts mit dem wahren Leben der Einheimischen zu tun und so kann man als Tourist wochenlang vor Ort gewesen sein und trotzdem faktisch nichts von seinem Zielland gesehen haben. Außer Strand, Sonne und Meer natürlich. Falls man sich nicht auch mal bemüht, mit einem geführten Ausflug etwas in die andere Welt hineinzuschnuppern. Und obwohl die Touristen Milliarden an Reisen für die Kanaren ausgeben, kommt davon so gut wie nichts bei der eigentlichen Bevölkerung an. Alles bleibt bei den Reisegesellschaften und Hotelketten. Wir hingegen ließen unser Geld komplett im Lande und sind auch stolz darauf. Wie in jedem Urlaub nebenbei bemerkt.

Zurück zu Maspalomas: wir stiegen an der Endhaltestelle aus dem Bus aus und gingen sofort in Richtung des Leuchtturms, neben dem der berühmte Dünen-Sandstrand namens Playa de Inglès beginnt. Superweicher Sand, natürlich von Touristenmüll verschmutzt, setzten wir uns an einer relativ sauberen Ecke und beobachteten das touristische Treiben der vorbeiziehenden Massen. Ins Wasser begaben sich auch hier nur wenige. Dabei forderte die Sonne sie regelrecht dazu auf. Wir hingegen trauten uns und wurden belohnt. Das Wasser war nicht warm, aber warm genug, um sich nach einigen Minuten richtig wohl zu fühlen. Fleißige Wellen machten auch hier das Schwimmen zum Genuß und zwischendurch trockneten wir uns in den Dünen. Natürlich mit Shirt und Kopfbedeckung, denn wir hatten ja wie gesagt die Sonnencreme vergessen. Irgendwann nach einigen Stunden plagte uns der Hunger und wir suchten uns ein Strandrestaurant aus, das nicht ganz so überfüllt war. Die Pseudo-Strandpromenade ist nicht sonderlich lang und die meisten Lokalitäten eher improvisiert. Kein Wunder, dass man hier auch in Bikini sitzen kann. Geo lud mich aus Anlaß ihres Geburtstags zum Essen ein. Zu ihrem Bedauern waren die Preise in Maspalomas spürbar teurer als auf der „normalen Seite“ der Insel, aber das war ja zu erwarten gewesen. Für deutsche Verhältnisse waren die Preise aber immer noch günstiger als zuhause. Und das Essen schmeckte trotzdem, jedenfalls den Fisch und das Steak, das wir bestellten.

Nach dem Essen gingen wir noch einmal an den Strand und anschließend zurück zum Bus. Der Rückweg dauerte deutlich länger, denn wir gerieten auf der Autobahn in einen recht langen Stau, den ich so auf der doch eher kleinen Insel nicht erwartet hätte. Und als wir im Hotel zurückkehrten, war es bereits dunkel. Die Temperaturen waren übrigens wieder deutlich kühler und von Sonne nicht nur wegen der anbrechenden Dunkelheit nichts mehr zu sehen oder zu spüren.

Am Donnerstag nahmen wir eine Auszeit, besuchten zwei Einkaufszentren, wo wir auch zu Mittag aßen und vertrödelten die Zeit am Strand und beim Bummeln durch die nahe Neustadt. Wir aßen am Abend bei einem Italiener und ich genoss einen romantischen Abend, der durch den aufziehenden Vollmond zwischen den Palmen perfekt umrahmt wurde. Erstmals während des Urlaubs legten wir weniger als zehntausend Schritte zurück, aber gerade faul sein gehört zum Urlaub mit dazu.

Am letzten Tag wollte ich auch den dritten Teil der Insel kennenlernen. Den neben dem modernen und dem touristischen Leben gab es da auch noch das traditionelle. Also das, was man dort noch findet, wo der Tourismus noch nicht angekommen ist. Dafür mussten wir per Bus in die Berge fahren und wir suchten uns ein Städtchen aus (das eher ein großes Dorf ist), das als das religiöse Zentrum der Insel seltsamerweise für die Reisebüros der Welt noch nicht entdeckt worden ist. Vielleicht lag das daran, das der Ort „Teror“ heißt? Kein Scherz, ich musste auch zweimal hinschauen. Wenn auch Teror hier nur mit einem „r“ geschrieben wird… Einmal im Jahr zieht eine riesige Prozession von einigen Hunderttausend Kanaren von Las Palmas zu Fuß dorthin hinauf, um Maria zu ehren, die 1481, also zwei Jahre vor der endgültigen Eroberung der Insel durch die Spanier, einigen Bewohnern der Insel in einer Pinie erschienen sein. 1912 wurde Maria von Papst Pius XII dann zur Schutzheiligen von Gran Canaria erklärt.

Die Altstadt von Las Palmas

Allein die Busfahrt nach Teror hinauf war schon ein Abenteuer für sich. Ich habe so etwas zuletzt auf Madeira erlebt (da sogar noch etwas „dramatischer“). Der große Bus quälte sich die engen Straßen, hupte an jeder Kurve und ständig waren Manöver notwendig, um an den Autos vorbeizukommen. Erschwert wurde das Ganze noch dadurch, das eine größere Straße saniert wurde und der Bus auf eine viel engere Umleitung fahren musste. Geo schwitzte Blut und Wasser, aber natürlich kamen wir fast pünktlich in Teror an, von wo man noch einmal zu Fuß eine größere Steigung gehen muss, ehe man sich endlich in diesem Bergdorf befindet. Und in der Tat: hier findet man noch das absolut Ursprüngliche der Kanaren – hübsche traditionelle Häuser, liebliche Gassen, kleine Läden – und alles eingebettet in wunderschöner Natur. Das Besondere daran: hier war nichts gestellt, nichts eigens für die touristische Kamera gemacht. Alles ist so wie es schon vor Jahrhunderten war. Auch die Menschen sind hier noch freundlich, kommunkativ und respektvoll – ein recht großer Unterschied zu den Menschen nur wenige Kilometer talabwärts. Gran Canaria – die Insel der Kontraste.

Terors „Zentrum“ besteht eigentlch nur aus zwei Gassen mit wenigen Geschäften und Restaurants. In dem einzigen Goldgeschäft der Insel erwarb ich zur Begeisterung des Inhabers ein kleines Goldamulett. So hocherfreut wie der Goldschmied war, muss es wohl selten vorkommen, dass mal jemand bei ihm etwas kauft. Wie er wohl dort überlebt? Obwohl es auch in Teror natürlich nicht wenige ausländischen Besucher gibt, verirren diese sich bestenfalls in ein Restaurant oder in ein Souvenirshop. Auch die Souvenirs waren keine von denen, die man sonst überall sieht. Sondern fast alles handgemachte Artikel. Nachhaltigkeit wurde auch in Teror groß geschrieben. Alles war sauber und klimatisch durchdacht. Und das Essen, das wir in dem vom Goldschmied empfohlenen Restaurant aßen, war – muss man das noch erwähnen? – eine kulinarische Köstlichkeit. Der Besuch dieses Bergdorfs war wirklich ein perfekter Abschied von der Insel, die wir in nur wenigen Stunden später verlassen sollten.

Am Tag des Rückflugs hatten wir den eingangs beschriebenen bewegenden Abschied vom Besitzer des Cafes, wo wir jeden Morgen Kaffee und Rum tranken. Auch das machte uns das Gehen nicht wirklich leichter, aber immerhin hatten wir eine versöhnliche angenehme Abschiedsstimmung. Mit dem Bus zum Flughafen gefahren, kehrten wir, kaum hatten wir die Flughalle betreten, zurück in den Alltag, der mit jedem Kilometer näher an Deutschland grauer und grauer wurde… Immerhin war der Wetterkontrast bei der Ankunft auf dem Kölner Flughafen am späten Nachmittag nicht so groß wie befürchtet, denn angenehme 13 Grad waren im Verhältnis zu zuletzt 19 Grad auf Las Palmas kein großer Unterschied. Kämen wir von Maspalamos, wäre das sicher ganz anders gewesen…

Was sonst noch zu erwähnen wäre

Allgemein sollte ja bekannt sein, dass die Kanarischen Inseln einen Sonderstatus in Spanien und in der EU genießen. Um die Wirtschaft anzukurbeln bzw. nicht zu weit zurückfallen zu lassen, müssen für zahlreiche Artikel keine oder nur eine eingeschränkte Mehrwertsteuer bezahlt werden. Deshalb ist es nicht so überraschend, dass hier paradiesische Verhältnisse für Touristen herrschen, die ihren Mietwagen auftanken und trotzdem ungläubige ihre Augen reiben, wenn sie die unfassbar günstigen Spritpreise sehen. Besagter Sonderstatus ist es auch, weshalb Genuss- und einige andere Mittel nur eingeschränkt ausgeführt werden dürfen, obwohl man die EU gar nicht verlässt.

Der Flughafen von Las Palmas ist der erste, den ich erleben durfte, an dem kein Hotel zu finden ist. Sonst hätten wir dort übernachtet, anstelle für teures Taxigeld nachts noch in die Hauptstadt fahren zu müssen. Ob das gewollt ist?

Dann habe ich mich im Hotel über die Sender im TV gewundert, also nach welcher Priorität einige ausländische Kanäle ausgewählt wurden. An deutschen Sendern gab es nur SAT.1 (was ich sonst nie schaue), ARD ohne Ton und das ZDF, das mitten im Urlaub abgeschaltet wurde. Also einfach vom TV verschwand. Na gut, dann halt BBC...