26.06.-30.06.2019
Flugreise mit Geo nach Sevilla und
Besuch der Alhambra in Granada

Mit jeder Reise, die ich plane, konzentriere ich mich mehr auf meine imaginäre Liste von Zielen, die ich in meinem Leben unbedingt noch sehen möchte, sowohl in kultureller wie in landschaftlicher Hinsicht. In Europa sind dies noch Athen (vor allem wegen der Akropolis), Gibraltar, Belfast („geteilte“ Stadt), Riga und die Alhambra in Granada. Und eben diese größte maurische Festung Europas und nicht umsonst eines der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Europas, sollte unser nächstes Flugziel sein. Da Granada nicht selbst über einen internationalen Flughafen verfügt, wichen wir auf den nach Sevilla aus. Malaga liegt zwar noch deutlich näher, aber da waren wir vor einem Jahr ja bereits. Und Sevilla als viertgrößte Stadt Spaniens hatte auch einen interessanten Ruf, den wir „persönlich auf den Grund gehen“ wollten.

Wie meistens bei den letzten Reisen hatte ich bereits lange vorher die Buchung und den Flug klargemacht, aber dennoch gab es kurz vor dem Urlaub noch einmal etwas „leichte Unruhe“, denn ich hatte es versäumt, auch noch die Fahrt von Sevilla nach Granada früh genug zu buchen. Und so war die (zeitlich passende) Busfahrt (bei der spanischen Busgesellschaft ALSO) bereits ausgebucht und ich musste auf den Zug ausweichen. Das immerhin war kein Problem, doch bei der Online-Buchung der Alhambra-Tickets wäre es beinahe noch zum kompletten Aus gekommen, denn an lediglich zwei Tagen unseres Aufenthalts gab es noch einige Rest-Tickets. Und so erwarb ich für die Zeit des frühen Nachmittags am dritten Tag unseres Aufenthalts zwei der noch neun verbliebenen Tickets. Also es war schon mehr Glück als Verstand im Spiel gewesen. Doch nun konnte es endlich losgehen. Fünf weitere Tage in Spanien standen an. Die ich mir ob des aktuellen Arbeitsstresses diesmal echt verdient hatte.

Anreise und Ankunft

Wie bei fast allen der letzten Flugreisen ging es auch diesmal vom Kölner Flughafen los. Die Flugroute von Köln nach Sevilla wird erst seit kurzem angeboten und natürlich ist die Airline wieder einmal Ryanair. Der Abflug sollte diesmal exakt zur selben Zeit sein wie die Rück-Ankunft. Wir würden also zweimal punkt 18 Uhr auf dem Kölner Flughafen sein und dass Start wie Rücklandung exakt die gleiche Uhrzeit haben, habe ich bei meinen zahlreichen Flügen so wohl auch noch nie gehabt. Diese Zeit am frühen Abend übrigens ist eigentlich recht optimal, denn während der kompletten Kurzstrecke ist es noch hell und auch das Publikum auf dem Flughafen ist ein ganz anderes als bei Abflügen tief in der Nacht oder am frühe(ste)n Morgen. Alles irgendwie heiterer und entspannter. Außerdem kann man so zuhause in aller Ruhe packen, etwas essen und noch die Wohnung putzen und hat trotzdem genug Zeit, gemächlich mit der Bahn zum Flughafen zu machen. Wo wir immer noch drei Stunden vor Abflug ankamen. Also Zeit genug, um in der „Ständigen Vertretung“ Burger und Curry-Wurst zu vertilgen, während ich mich bei der jungen farbigen Bedienung fragte, ob sie außer der Merkel auch nur einen einzigen der vielen dort abgebildeten deutschen Politiker kennen würde. 70 Jahre Bundesrepublik brachte viele Politiker zustande, von denen inzwischen weit über 90 Prozent schon gestorben sind. Also jedenfalls von denen in der „StäV“. „Ständige Vertretung“ – nicht mal Geo weiß nach neun Jahren Aufenthalt in Deutschland mit diesem Begriff etwas anzufangen.

Anschließend ging es in den Sicherheitsbereich (die „Blase“), wo Geo diesmal bei der Kontrolle nicht ungeschoren blieb. Wie auch beim Rückflug in Sevilla wurde ihr Koffer einer „eingehenderen Besichtigung“ unterzogen – ihre eleganten Metall-Sandalen waren einfach viel zu verdächtig… Sei’s drum, es hatte nicht viel Zeit gekostet. Und die wenigen Läden in der Duty-Free-Area konnten uns auch nicht besonders aufhalten. Aber wir sind es ja schon gewöhnt, die Zeit auf den Flughäfen dieser Welt totzuschlagen. Immerhin kam der Ryanair-Flieger erneut pünktlich an und startete fast pünktlich – genauso wie beim Rückflug. Also ein weiteres Mal kein Grund zur Klage. Seit Valencia blieb diese Billigairline ihr Versprechen, „zu 90 Prozent“ pünktlich zu sein, nicht mehr schuldig. Und so ging es rasch aus dem trüben Deutschland hoch über die Wolken, hin zur strahlenden Sonne, die uns nun bis zum Rückflug nicht mehr verlassen sollte.

Als wir in Sevilla landeten, waren es 15 Grad wärmer als in Köln und das, obwohl es schon 21 Uhr war. An die 30 Grad waren es trotz der schon abendlichen Zeit. „Fast wie bei der Ankunft in Kuba“ bemerkte Geo treffend und so schleppten wir uns in der schwülwarmen Luft durch einen hässlichen und wenig einladenden Flughafen und verloren keine Zeit, nach einer kurzen Raucherpause sofort in den Zubringer-Bus (Linea EA) zu steigen, der uns für je vier Euro in die Innenstadt von Sevilla brachten. Die Fahrt dauerte keine zehn Minuten und beim Hauptbahnhof („Santa Justa“) ausgestiegen, ging es gleich mit einem Taxi weiter. Die kleine Gasse „Calle Feijio“ kannte der Taxifahrer gar nicht, was nicht weiter wundert, denn diese ist gar nicht mit einem Auto zu befahren. In völliger Verwirrung fast mit einem anderen Auto kollidiert, brachte uns der Fahrer mit seinem Handy-Navi dann doch noch zum Ziel, also in die Nachbarstraße der besagten Gasse. Zu Fuß die letzten Meter zur Ferienwohnung gelaufen, wurden wir schon (vermutlich ob unserer „lärmenden“ Rollköfferchen) erwartet. Ein venezuelisches Pärchen zeigte uns die Wohnung und nahm uns die vorab angekündigten 20 Euro Extragebühr für die „Spätvorstellung“ ab.

Die Ferienwohnung „Deluxe-Apartment Feijóo““
Unsere Ferienwohnung in Sevilla

Obwohl die Bilder im Internet (bei Booking.com) den Realitäten entsprachen, war diese Wohnung alles andere als „Deluxe“. Sie war zwar recht sauber, doch riesige Flecken „verzierten“ das Sofa, es war sehr dunkel (die Sonne erreicht die Wohnung in dieser engen dunklen Gasse wohl nie) und für den Fernseher gab es nicht einmal eine Fernbedienung. Ich wusste gar nicht, dass so etwas noch möglich ist. Also per Knopfdrücke manuell alles zu bedienen. Letztendlich war es aber egal, denn in diesem Kabel-TV gab es keinen einzigen nicht-spanischen Sender. Was aber viel schlimmer war: es gab auch kein WLAN. Geo war mächtig sauer und rief sofort die Vermieterin an. Diese sollten wir aber nie erreichen – weder telefonisch noch persönlich. Sie hat wohl viele Wohnungen und ausreichend Angestellte. Geo wurde von so einer auf den nächsten Tag vertröstet, da sie dann erst den WLAN-Router bringen müssten. Doch nichts kam, so dass Geo am später Abend tags darauf mit einem erneuten Telefonanruf ihre Wut äußerst freien Lauf ließ. Nun passierte endlich etwas. Der Router wurde von einer weiteren Angestellten gebracht und diese teilte uns lapidar mit, dass es ihr zwar leidtue, aber das WLAN-Angebot hätte man inzwischen aus dem Internet entfernt. Zu viele Ferienwohnungen für nur einen Router… Kein TV, kein Internet, keine Sonne, ein winziger Balkon – na viel Glück bei der weiteren Vermietung! Ansonsten war die Wohnung immerhin funktional eingerichtet, aber die Küche haben wir nie genutzt. Lediglich den Kühlschrank ob unseres heftigen Getränkebedarfs in diesen heißen Tagen. Einziges echtes Highlight war die Klimaanlage, die sogar Fernbedienung hatte, und auch noch gut funktionierte. Morgens war es stets zum Frieren kühl.

Was aber selbst die schönste Wohnung, die unser Apartment aber nun wirklich nicht war, zum unschönen Erlebnis macht, sind Lärm und laute Geräusche. Und davon hatten wir mehr als genug - nachts mehr noch als am Tag. Da die Haustür nicht gut schloss, musste man sie stets zuknallen – bei hellhörigen Wänden war das jedes Mal ein kräftiger Schreck. Hinzu kamen tagsüber diverse Bauarbeiten, was wir auch schon von Malaga her gut kannten. Die spanische Wirtschaft zieht halt an… Tagsüber war uns der Krach aber recht egal, da wir sowieso fast ständig auf Achse waren. Aber am vorletzten Tag, als mich Blasen und Hitze plagten, und wir den kompletten Nachmittag in der Wohnung ausruhten, merkten wir, wie laut es wirklich war. Denn in der Nebenwohnung gibt es wohl auch noch eine Flamenco-Schule. Nicht nur mit stundenlangem Gitarrenlärm, sondern auch noch mit trampelnden Damen. Ein ständiges „Stampf-Bummsen“ nervte irgendwann doch gewaltig. Wie eben auch die Tatsache, dass viele Wohnungen im Haus an weitere Feriengäste vermietet wurden, die meist oft erst weit nach Mitternacht zurückkehrten. Ohne Ohrstöpsel war an Schlaf unmöglich zu denken. Selbst wenn es nur gelegentlich laut wurde, so war es doch stets so laut, dass man wieder „im Bett stand“. Und da ich nun einmal keinen „Geo-Schlaf“ habe, gab mir das den Rest.

Und dann war da ja noch diese Extragebühr, von der im Internet nichts stand. Extra nach Angeboten gesucht, wo man auch spätabends ohne Zusatzkosten einchecken konnte, hätten wir diese Wohnung erst gar nicht ausgewählt. 20 Euro dafür, dass wir gegen 22 Uhr „vorbeikamen“, war dann schon recht heftig. Als man uns das per eMail mitteilte, hatten wir längst gebucht, und der Urlaub stand unmittelbar bevor. Nein, Seriosität sieht anders aus.

Nicht unerwähnt soll trotzdem bleiben, dass die Lage der Wohnung das einzige herausragende Merkmal derselben darstellt. Keine hundert Schritt von der Wohnung entfernt, hat man diverse Kneipen und Restaurant erreicht und auch die Innenstadt ist ebenfalls nur wenige hunderte Meter entfernt. Selbst der Bahnhof ist fußläufig zu erreichen, auch wenn man dazu besser das Handy-Navi benutzt und für die anderthalb Kilometer schon eine Viertelstunde einplanen muss. Aber „Lage, Lage, Lage!“ ist ein schlechtes Argument, wenn man in der Wohnung einfach nur ein paar schöne Tage in Ruhe und Entspannung haben will und stattdessen das ziemliche Gegenteil erfährt.

Sevilla – Stadt und Leute

Eindrücke aus Sevilla

Und mal wieder habe ich mich getäuscht. Es war nicht das erste Mal und wird nicht das letzte Mal bleiben. Denn Sevilla habe ich aus Dokumentationen und Berichten für die mit Abstand schönste Stadt Andalusiens empfunden, noch weit vor Malaga oder Valencia. Doch stattdessen ist es nun die am wenigsten attraktive von ihnen. Nur Granada (die Alhambra ausgeschlossen natürlich) kommt mir noch trauriger und dröger vor. Was sofort auffällt, ist das Fehlen eines echten Zentrums. „Alles wirkt irgendwie chaotisch“ meinte Geo einmal lapidar dazu. Und es gibt im Vergleich zu den anderen andalusischen Städten auffällig wenig Cafès oder Restaurants. Wir mussten stets lange suchen, um ein rustikales einheimisches Gericht zu finden. Am Ende landeten wir dann beim „Inder“ oder in einem völlig überteuerten (aber guten) Gourmet-Restaurant. Und wie der Tag endete, fing der nächste an: während es in Malaga an jeder Ecke ein Cafe gibt, hatten wir in Sevilla meist eine lange Lauferei vor uns, um dann in einem „abgewetzten“ Bistro in der prallen Sonne abzuhängen. Oft ohne Bedienung.

Trotzdem ist Sevilla keine häßliche Stadt, im Gegenteil: sie hat auch überaus schöne Seiten. Dafür, dass sie keinen Strand hat, kann sie ja nichts und kann zumindest vorweisen, im Mittelalter einmal sogar den größten Hafen Spaniens gehabt zu haben, wovon der Goldturm (Torre de Oro) zeugt, wo nämlich einst ein Großteil des kolonialen Goldes zwischengelagert wurde. Was ich in diesem Zusammenhang auch vorher nicht wusste: der Fluss Guadalquivir ist der einzige Fluss Spaniens, der schiffbar ist. Und das Zentrum Sevillas liegt an einem eigens dafür geschaffenen Seitenarm desselben. Die andalusische Hauptstadt kann sich auch sonst nicht über den Mangel an Sehenswürdigkeiten beklagen: neben dem „Goldturm“ gibt es die erst jüngst geschaffene riesige Holzkonstruktion Metropol Parasol, daneben natürlich die recht beeindruckende Kathedrale, wo auch das Grab von Kolumbus liegt oder die großen Parkanlagen um den Plaza de España (Maria Luisa Park). Und nicht zu vergessen den Alcazar – eine großen maurischen Festungsanlage.

Sevilla ist ansonsten die Stadt, die mit ihren Farben am ehesten den andalusischen Tradition verhaftet ist. Viele Häuser und Anlagen sind in satten rot-gelben Tönen getaucht und auch zahllose Flaggen in diesen Nationalfarben sind an vielen Gebäuden, Balkonen oder Türmen zu sehen. Am klarsten wird dies aber an der Stierkampfarena („Plaza de Toros de la Maestranza“), wo fast alles regelrecht in Rot-Gelb gepresst ist. Überhaupt sind Stiere wie auch die Flamenco-Tänzerinnen in unzähligen Shops und Souvenirläden allgegenwärtig. Und von der „Flamenco-Schule“ in der Nachbarwohnung unseres Apartments schrieb ich ja schon.

Die Bewohner Sevillas sind viel freundlicher als die auf den Kanaren, aber etwa ähnlich kommunikativ und umgänglich wie in den anderen andalusischen Städten. Einen Unterschied zu Malaga oder Valencia konnten wir hier jedenfalls nicht feststellen. Auf alle Fälle sind auch die Sevillanos, wie die Einwohner der Stadt übrigens genannt werden (wusste ich vorher auch nicht), äußerst hilfsbereit und ausnahmslos dialogfreudig. Nie wurden wir bei einer Frage zurückgewiesen oder angeblafft und so hatten wir nie Probleme, uns einmal in der Stadt auch ohne Karte oder Navi durchzufragen.

Einen großen Unterschied zu den anderen Städten Andalusiens, die wir bislang besucht haben, gibt es hingegen bei der Qualität und den Preisen bei Essen und Trinken. Wie schon eingangs erwähnt, waren wir oft frustriert ergebnislos auf der Suche und selbst bei „größerem Geldeinsatz“ nicht immer zufrieden. Einzige Ausnahme bildete das Gourmet-Restaurant am Abend des letzten Tages, wo es aber so wenig gab, dass der Hunger hinterher größer als vorher war…

Aktivitäten in Sevilla
Sehenswürdigkeiten in Sevilla

Obwohl es schon auf Mitternacht zuging, nutzten wir trotzdem den Abend unserer Ankunft dazu, in einer Kneipe vor der Ferienwohnung noch ein Bierchen zu trinken, etwas Tapas zu uns zu nehmen (Sevilla ist angeblich der Ort, an dem Tapas erfunden wurde) und um damit die nötige Bettschwere für die folgende Nacht zu bekommen. Dass die Klimaanlage bestens funktionieren würde und wir so überhaupt nicht gegen die schwülwarme Nachthitze ankämpfen mussten, konnten wir da ja noch nicht ahnen. Jedenfalls war die erste Nacht die beste der gesamten Kurzreise. Als wir am nächsten Morgen erst nach 08 Uhr aufwachten, war ich schon in Sorge, am übernächsten Morgen den frühen Aufbruch nach Granada trotz Weckers zu verschlafen. Aber „dank“ des Lärms der nächsten Nächte sollte der Schlaf nicht mehr so tief und fest zurückkehren…

Den ersten Morgen unseres Aufenthaltes hatten wir uns für die „grobe Besichtigung“ Sevillas reseriert. Dank der ausgezeichneten Lage der Unterkunft hatten wir bereits nach wenigen hundert Meter schon die erste Sehenswürdigkeit abgehakt. Oder auch nicht, denn die Treppen zum Metropol Parasol waren abgesperrt, so dass wir gar nicht die Plattform hinaufgelangen sollten. Das war uns erst am Abend des selben Tages vergönnt, aber verpasst hätten wir auch so nichts. Zwar ist diese neumodische Holzkonstruktion recht nett und imposant anzuschauen, aber sonderlich kulturell wertvoll ist sie nicht. Dass sie einen alten Markt ersetzen sollte, der sich einmal dort befand, konnte man jedenfalls nirgendwo erkennen oder nachlesen. Also dann weiter auf der Suche nach einem netten Cafe, das wir nicht fanden und uns stattdessen an einem Selbstbedienungs-Imbiss mit einer unfreundlichen Angestellten herumärgern mussten. Naja, der Preis und der Geschmack stimmte und wir waren so gestärkt genug, nun mit der eigentlichen Erkundung der Stadt zu beginnen. Gut 20000 Schritte (oder ca. 13 km Fußmarsch) standen uns bevor und die Hitze sollte mit jedem Schritt unerträglicher zu werden. Immerhin waren wir vorbereitet und entsprechend halbwegs vernüntig mit Sonnenschutz eingecremt. Und so liefen wir erst am Seitenarm des Flusses Guadalquivir bis zum Torre de Oro (Goldturm) und dann weiter zur Stierkampfarena. Ersteres durften wir nicht betreten, hätten wir aber gerne und letzteres durften wir betreten, wollten aber nicht. Nicht etwa wegen des doch hohen Eintritts, sondern weil ich kein Freund von Tierquälerei bin – Kultur hin oder her. Doch sehenswert waren die Gebäude um die Arena allemal. Anschließend nahmen wir den nächsten Imbiss und ein Bierchen zu uns, ehe es dann an die Suche nach dem Plaza de España und dem Maria Luise Park ging. Letzteren hätten wir fast übersehen, denn er war bei weitem nicht so groß wie man es hätte erwarten können und an ersteren wären wir fast vorbeimarschiert... Nach einer kurzen Nachfrage kamen wir aber wieder auf die richtig Spur zurück und hatten dann schnell den doch recht imposanten Platz erreicht, der von einem großen halbkreisförmigen Gebäude eingerahmt wird, vor dessen Eingang ein großer Springbrunnen Kühle und Erfrischung und diverse kleine Eis-Stände "Abkühlung" versprechen. Aber auch dank des vielen Grüns in der Stadt, insbesondere der zahlreichen Orangenbäumchen-Alleen wird einem die Wanderung durch die Stadt nie zur wirklichen Qual. Und so hatten wir, es war schon in der Mitte des Nachmittags, noch genug Muße, zur großen Freude Geos endlich mit der „Besichtigung“ des Stadtzentrums zu beginnen, also eine Shopping-Tour einzulegen. Inzwischen war es schon extrem heiß geworden, und so bot die Kühle in den Geschäften eine willkommene Gelegenheit, dieser Hitze zu entgehen. Gekauft haben wir an diesem Tag aber trozdem nichts.

Am übernächsten Tag, also dem Tag nach unserem Granada-Ausflug, sahen wir uns dann in einem „zweiten Ritt“ die noch restlichen Sehenswürdigkeiten an, sehr zum Mißfallen Geos, die endlich mal einen ruhigen Tag haben wollte. Denn auch am Vortag hatten wir wieder über 20.000 Schritte bewältigt. Ich konnte Geo etwas mehr als die Hälfte abtrotzen und so noch die Isabel-Brücke (Puente de Isabel) und die Alcazar (maurische Festung) sowie die Kathedrale besichtigen. Allerdings nur von außen, denn bei den Menschenmassen und der neuerlich extremen Sonne hatten wir keine Lust uns ewig anzustellen. Der Besuch der Alhambra am Tage zuvor hatte unsere historischen-kulturellen Genüsse mehr als genug befriedigt. Und so stellte ich Geos eingetrübte Laune mit kleinen Goldohrringen wieder her, die wir in einem der äußerst seltenen Schmuckgeschäften der Stadt eher zufällig entdeckten.. Und so fand Sevilla noch ein versöhnliches Ende...

Die Fahrt nach Granada

Viva dulce en el andaluz

Eigentlich wäre die Fahrt hier keinen eigenen Absatz wert gewesen, aber die stressige Fahrerei mit zahlreichen Umstiegen und einem Beinahe-Unfall haben dann doch noch eine Erwähnung verdient. Äußerst früh durch unsere Handy-Wecker aus dem ohnehin schon unruhigen Schlaf gerissen, standen wir gegen 05 Uhr morgens auf, und machten uns, frisch geduscht und neu eingekleidet, zu Fuß in Richtung Bahnhof. Da es durch zahlreiche Gassen ging, starteten wir fast eine Stunde vor Zugabfahrt und navigierten uns mit dem Handy die knapp anderthalb Kilometer durch die dunklen Straßen. Zum Glück gab es so keine Probleme und so waren wir bereits 40 Minuten vor Abfahrt am Hauptbahnhof („Santa Justa“) und hatten deshalb ausreichend Muße, noch in aller Ruhe einen Cappuccini zu trinken. Hier begegnete uns übrigens eine seltsame Amerikanerin zum ersten Mal, deren Wege wir an diesem Tag noch viermal (!) kreuzen sollten. Stets in eher schlechtem Zusammenhang. Sie stieg in denselben Zug, fuhr im selben Bus (hin und zurück!) und war auch in Granada einmal im selben Café. Zweimal „ärgerte“ sie Geo damit, dass sie die einzige Toilette (Bahnhof) oder zweimal die einzige Handy-Ladestation (Busbahnhof) okkupierte. Und zwar bis zum letzten Moment… Stets war sie die Erste beim Aus- und Einsteigen und immer sofort wieder verschwunden, so als hätte die keine Sekunde zu verlieren. Doch zurück zum Thema.

Der Zug startete pünktlich und vor allem Geo freute sich schon darauf, nun die viereinhalb Stunden Fahrt etwas dösen zu können, da kam schon der Schaffner des Weges, kontrollierte unsere Online-Buchungen und teilte uns lapidar mit, dass ob Bauarbeiten in zwei Stationen schon wieder Schluss sein würde. In Osuna, einem traurigen verlassenen Städtchen, mussten wir einen Ersatzbus besteigen. Und da hatten wir gerade einmal 75 Minuten Zugfahrt hinter uns gebracht. Erneut der falschen Versuchung erlegen, wenigstens von hier aus noch eine kleines Nickerchen machen zu können, waren wir gerade einmal eine Viertelstunde unterwegs, als es einen mörderischen Knall gab und sich der Innenraum auf des Busses schlagartig mit Gummi- und Staubteilchen füllte. Genau der Reifen, über den sich unsere Sitze befanden, war geplatzt, und wir hatten riesiges Glück gehabt, dass sich der Bus weder an einer scharfen Kurve oder inmitten größeren Verkehrs befand, denn so konnte der Busfahrer schnell sein Gefährt unter Kontrolle bringen und dieses an eine Ausbuchtung auf dieser Schnellstraße abzustellen. Doch weniger die Erleichterung, einem schlimmen Unfall entkommen zu sein, überwog, sondern die Sorge, dass nun unser geplanter Besuch der Alhambra, auf deren Eintrittskarten ja Uhrzeiten einzuhalten waren, ins Wasser fallen würde. Doch – nächste Überraschung! – dauerte es keine Viertelstunde, bis der Ersatzbus zur Stelle war und wir nun endlich umsteigen konnten. Denn die gummiverseuchte Luft reizte unsere Atemwege trotz der Lüftung doch erheblich. Als wir ausgestiegen waren, durfen wir nun auch in Augenschein nehmen, wie heftig die Reifenexplosion den Bus getroffen hatte. Ein Großteil der Seitenfront war nämlich regelrecht nach außen gebogen und erst jetzt wurde uns wirklich bewusst, was für großes Glück wir wirklich gehabt hatten. Wäre dem nicht so, wäre es einfach Schicksal gewesen, dem man nicht entkommen kann: ungeplante Busfahrt mit Unfall, vielleicht gar mit Verletzung oder Todesfolge. Da fällt mir das berühmte ein Lennon-Zitat ein: „Leben ist das, was passiert, während man es plant“…

Mit dem Ersatz-Bus des Ersatz-Busses (...) ging es eine Stunde weiter zu einem anderen Bahnhof, wo wir bereits das vierte Mal umsteigen mussten. Doch dann war es geschafft. Ohne weitere Probleme fuhren wir bis Granada durch und erreichten den dortigen Bahnhof sogar noch deutlich schneller als es mit dem Zug der Fall gewesen wäre. Die Rückfahrt verlief übrigens ähnlich wie die Hinfahrt, nur ohne Panne und daher mit einem Zwischenstopp weniger. Aber auch hier war alles bestens organsiert, überpünktlich und in keiner Weise zu beanstanden.

Der Besuch der Alhambra

Die Alhambra in Granada

Die Alhambra als eigentliches Ziel der kompletten Reise (denn in Granada gibt es nun einmal keinen internationalen Flughafen) war dann auch tatsächlich der konkurrenzlose Höhepunkt unseres Kurztrips. Doch dazu gleich mehr. Aufgekratzt ob der vorangegangen unruhigen Hinfahrt, verließen wir sofort nach der Ankunft den mehr als tristen Bahnhof von Granada, ignorierten die Hinweise, doch dringend ein Taxi ob der Entfernung zu nehmen, und machten uns stattdessen zu Fuß und mit der neuerlichen Unterstützung des Handy-Navis auf den Weg in Richtung Alhambra. Gut, es ist schon ein etwas längerer Weg, aber weder die Strecke noch der gar nicht mal so heftige Anstieg zur Festung machten diesen Fußmarsch zur Herausforderung für mich, sondern die immer größer und schmerzhafter werdenden Blasen an meinen Füßen. Noch war es erträglich, doch beim Rückmarsch sollte es nicht ohne Pflaster abgehen, die wir in einer Apotheke kauften. Aber da war es eigentlich schon zu spät. Noch eine Woche danach war die schlimmste der Blasen noch immer nicht verheilt, denn gleich mehrere Hautschichten waren in Mitleidenschaft gezogen.

Am Vormittag aber ging es noch zügig durch die eher traurige Innenstadt von Granada, die wenig Grün und fröhliche Gesichter, dafür aber viel Beton und Bettler zu bieten hat, rasch hinauf in den einzigen Wald unserer Reise, inmitten derer sich auf einer großen Anhöhe das Ziel des Tages befand: die Alhambra. Und diese Stadtburg (arabisch: Kasbah) ist wirklich eine Reise wert. Die komplette Festungsanlage mit ihren beeindruckenden großen Parkanlagen ist eines der schönsten Orte, die ich bislang zu sehen die Ehre hatte. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, aber wie architektonisch und künstlerisch alles durchdacht ist, erfreut Seele und Herz gleichermaßen und man kann sich gar nicht satt genug sehen. Schon die Aussicht von der Festung ins weite Tal ist mehr als imposant, doch die Bauwerke, in Kombination mit der Natur, in der diese eingebettet sind, sind die eigentliche Augenweide. Langeweile oder Erschöpfung kommen nicht auf, denn die Mischung aus interessanter Architektur, Wasser und wundervoll erquickender Natur sind einfach einzigartig.

Die Alhambra, was auf arabisch soviel wie „die Rote“ bedeutet, ist grob in vier Bereiche unterteilt. Der Zitadelle am Eingang (Alcazaba) schließen sich die Medina an, wo der spanische König Karl V. nach der Eroberung ein eigenes Schloss bauen ließ (meiner Meinung nach eher ein unpassender grauer Schandfleck in der maurischen Umgebung) und dafür auch noch einen Teil des Nasriden-Palastes abreißen ließ. Und dieser Nasriden-Palast als dritter Teil der Festung stellt das eigentliche und mit Abstand schönste Zentrum der komplette Anlage dar. Außerhalb der Alhambra befindet sich noch des Generallife, eine große Parkanlage, die wir aber nicht mehr besichtigten – es war inzwischen schon wieder sehr heiß und meine Blasen ließen sich trotz Wechsels auf mitgeführte Sandalen nicht mehr „besänftigen. Doch das lange Anstehen für den besagten Nasridenpalastes, wofür man nur eine halbe Stunde Zeit hat und deren Termin fix auf der Eintrittskarte aufgedruckt ist (verpasst man diesen Zeitpunkt, hat man einfach Pech gehabt), nahmen wir in Kauf, denn es war klar, dass das Herzstück der Festung auch am sehenswertesten ist. Und so war es dann auch. Man kann es gar nicht in Worte fassen: bezaubernd grazile Häuser und wundervoll verzierte Säulen und Wände wechselten mit einladenden Wasser- und Grünanlagen ab. Und von überall wird der Blick auf eine andere, noch schönere, Sehenswürdigkeit gelenkt. Gänge auf mehrere Etage lassen auf der einen Seite den Blick auf das riesige Tal und auf der anderen Seite auf Innenhöfe mit zierlichen Gärten frei. Kurzum: man kommt gar nicht hinterher, Fotos zu machen oder Videos aufzunehmen. Und doch kommt nichts an dem heran, was man persönlich sieht und fühlt, wenn man vor Ort ist. Und sich darauf einlässt, dass es Araber, und nicht etwa Europäer waren, die diese „Krone der Schöpfung“ für sich in Anspruch nehmen können. Besonders faszinierend ist an sich der Kontrast zur kargen spanischen Umgebung, wo es wenig Grün, keine Wälder und auch wenig Wasser gibt. Auf der Alhambra hingegen gibt es von allem alles im Überfluss. Eine saftige grüne Oase inmitten trockener brauner Landstriche. Einfach nur einzigartig. Und innerhalb der architektonisch wertvollen Gebäude sind fast alle Wände, Decken und selbst die Fensterrahmen mit unendlich vielen Schriftzügen und Verzierungen bedeckt. Schwer vorzustellen, was deren Herstellung für Aufwand bedeutet haben muss.

Auch ein – wenngleich ungewollter - Kontrast findet man auf der Alhambra: nämlich dem der hochentwickelten maurischen zur eher primitiven europäischen Kultur jener Zeit. Denn der nachträglich eingefügte spanische Palast, ich erwähnte es eben schon, wirkt eher stümperhaft. Und auch die katholische Kirche gleich gegenüber wirkt eher bedrückend und dunkel anstatt frei und hell wie in den arabischen Bauwerken drumherum. Wir sahen es uns dennoch an und nahmen auch dankbar die Gelegenheit wahr, im Palast Karls V. eine (sogar kostenlose) Ausstellung von Malern dieser Zeit zu besuchen. Ein Bild beeindruckte mich dabei besonders: der Auszug Muhammed XII. (genannt Boabdil) aus seiner geliebten Alhambra nach der Eroberung der Spanier. Mit Boabdil endete gleichzeitig die Dynastie der Nasriden und damit das letzte islamische Reich auf Spanien, deren Einfluss auf der iberischen Halbinsel immerhin fast 800 Jahre angedauert hat. Der Auszug aus dem Paradies: auf dem Gemälde kann man den Schmerz richtig mitfühlen, den der letzte Herrscher Alhambras gehabt haben muss, verbunden mit einer ungewissen Zukunft, ob die Zusagen des spanischen Königs eingehalten werden würden. 500 Jahre später wandelten wir auf seinen Spuren und sind sehr dankbar, dass uns das noch vergönnt ist. Ein wirklich einzigartiger Ort.

Fast fünf Stunden dauerte unsere Besichtigung an, doch dann wurde es uns zu voll und trotz des vielen Schattens auch zu heiß. Zwar gibt es auf der Alhambra jede Menge Gelegenheit, Getränke oder einen Imbiß zu erwerben, doch es wurde Zeit für die Rückkehr, denn wir hatte ja ein Zugticket für 17 Uhr, auch wenn wir stattdessen in einen Bus steigen mussten. Und von den Problemen mit meinen Fuß- und Blasenschmerzen schrieb ich ja schon. Auf dem Rückweg durch Granada aßen wir noch bei einem Imbiß (wo die Frau des Wirtes eine Kubanerin war) und tranken ein Bier in einem Cafè (wo wir gleich von zwei Bettlern belästigt wurden). Ein letzter Kontrast zum anspruchsvollen Ambiente der Alhambra...