Jeder fängt mal klein an

Auto fahren

Opel Kadett Baujahr 1981
Mein erstes Auto:   
ein Opel Kadett Baujahr 1981   
Foto vom Oktober 1993   

Das "Privileg", mit einem eigenen Auto die "Welt" zu erkunden, gehört zu den jüngsten meiner Hobbies. Zu DDR-Zeiten zu spät ein Trabant bestellt, hätte es sogar noch länger gedauert, wäre die Wende nicht gekommen. So aber dauerte es "nur", bis ich 28 Jahre alt geworden war. Dank einer "Spende" meines jüngsten Bruders Dirk, der eben in eines sehr gut bezahlte Arbeit gekommen war, durfte ich, selbst eben in eine lang andauernde Arbeitslosigkeit geraten, 1993 einen dreizehn Jahre alten Opel Kadett D mein Eigen nennen. Dieses Auto, selbst ein Problemfall, war dennoch in gewisser Hinsicht ein Glücksgriff, denn es vermittelte mir so etwas wie Freiheit in der Unfreiheit der erwerbslosen langen Monate. Leider durfte ich mich nicht allzu lange "begrenzt ungebunden" fühlen, denn die Mängel und Reparaturen des alten Kadetts nahmen die finanziellen Mittel eines armen Arbeitslosen so sehr in Anspruch, daß ich ihn ein halbes Jahr und 20.000 km später verschrotten ließ.

Wartburg Baujahr 1988
Das zweite Auto:   
der Wartburg aus dem Jahr 1988   
Foto vom September 1994   

Was dann kam, war ein Rückschritt in alte Zeiten. Meine damalige Lebensgefährtin legte sich einen Wartburg zu, der nicht nur viel weniger Kilometer auf seinem "Buckel" hatte, sondern auch sieben Jahre jünger war. Und weil wir schon bei der Aufzählung neuer "Rekorde" sind: der Wartburg schaffte nicht einmal 20.000 km in der doppelten Zeit und wir gaben auch ihn dann entnervt in Zahlung, um uns ein Jahr später, es war Februar 1995, endlich einen wirklichen neuen Wagen zuzulegen: einen Renault Twingo. Als Vorführwagen kostete er uns gut ein Achtel weniger. Im Gegensatz zu Kadett und Wartburg teilten meine Lebensgefährtin und ich uns die Kosten: ich übernahm die Anzahlung und meine Lebensgefährtin die Hälfte der nachfolgenden Raten... Besonders erhebend war aber das Gefühl, endlich einmal unbeschwert (fast) sorgenfrei zu fahren, denn unsere Ausgaben erschöpften sich diesmal lediglich in Sprit, Steuer und Versicherung... Reparaturen Fehlanzeige! Da ja meist alles zusammenkommt, hatten wir beide inzwischen auch Arbeit gefunden und deutlich mehr Geld zur Verfügung...

Mitsubishi Colt Baujahr 1995
Auto Nummer Vier:   
Mitsubishi Colt Baujahr 1995   
Foto vom Juli 1996   

Erneut ein Jahr später übernahm dann meine Lebensgefährtin die Autoraten vollständig und ich schenkte ihr als Ausgleich dafür das Auto. Das war unsere Vorstellung für Versorgungsausgleich, denn im Februar 1996 trennten wir uns. Und irgendwo mußte das Auto ja bleiben. Es war wohl die richtige Entscheidung, denn auch zehn Jahre später, so habe ich mir sagen lassen, fährt es noch bei der selben Person treu seine Runden... Ich hingegen wechselte die Partnerin und das Auto. Beides ist mir aber erneut nicht geblieben. Das Auto, das mir meine neue Lebensgefährtin für die nächsten zwei Jahre gelegentlich zur Verfügung stellte, war das bis dahin beste überhaupt: der Mitsubishi Colt machte weder Probleme, war angenehm zu fahren und wirkte viel stärker als die 75 PS vermuten ließen. So wunderte es nicht, daß wir mit dem Auto bis nach Italien fuhren und problemlos 50.000 km in weniger als 24 Monaten schafften. Darum fiel mir dann später beides schwer: die Trennung von Frau und die Trennung vom Auto... Und sie wäre mir noch viel schwerer gefallen, wenn ich gewußt hätte, daß nun fünf Jahre ohne Auto folgen würden.

Renault Twingo Baujahr 1995
Auto - das Fünfte!   
Renault Twingo aus dem Jahre 1995   
Foto vom März 2004   

Fünf Jahre und zwei Jobs später befand ich mich 2003 in einem völlig neuen Jahrtausend, in einem ganz anderen Bundesland unter ganz neuen Menschen. Der einzige Bekannte "aus alten Zeiten" kehrte mit einem Renault Twingo, den ich von einem Ex-Arbeitskollegen aus dem letzten Job zu einem günstigen Preis erworben hatte, zurück. Naja, so ganz vertraut war er nicht, denn im Gegensatz zum "gleichaltrigen" einstigen Weg- und Straßengefährten warf er mich in noch ältere Zeiten zurück, in denen Reparaturen und damit ständig unberechenbare Kosten an der Tagesordnung standen. Aber eigentlich hätte es mich nicht weiter wundern sollen, denn ich war mal wieder ohne Arbeit. Es kam wieder alles zusammen - nun eben im Negativen... Dennoch: der Twingo war eine unschätzbare Erleichterung in den nächsten drei Jahren, in denen ich zwischen Leverkusen, Berlin und Bremen stattliche 65.000 km zurücklegen durfte. Viel länger aber hätte er nicht ausgehalten, so daß ich froh war, ihn kurz vor dem zweiten TÜV zum "Verwertungspreis" für 500 EURO verkaufen konnte.

Peugeot 206CC Baujahr 2006
Mein erstes Cabrio:   
der Peugeot 206CC Baujahr 2006   
Foto vom Februar 2006   

Und dann kam er endlich, 23 Jahre nach meinem Führerschein und 13 Jahre nach meinem ersten Auto: der Hauch eines Traumwagens - ein Luxus-Cabrio und ein Neuwagen. Der Gedanke, einmal ein Cabrio haben zu wollen, war dabei noch gar nicht so alt, denn solange es sie nur mit Stoffverdeck gab, war ich so gar nicht davon begeistert. Aber mit Hardtop und einem binnen 15 Sekunden versenkbaren Dach war ich begeistert. Es sollte dann noch einmal einige Jahre dauern, bis ich ernsthaft den Gedanken - finanziell wie mental - anging. Und hätte mir der Vorgänger, der Renault Twingo, nicht soviele Probleme bereitet, hätte es noch ein oder zwei Jahre länger dauern können, zumal ich, seit mein Arbeitsort nur noch wenige Kilometer von der Arbeitsstelle entfernt lag, eigentlich (wären da die Kinder nicht) gar kein Auto mehr gebraucht hätte. Aber wie heißt es so schön: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Und aus einem sicheren Job heraus, genieße ich den Luxus des schönsten Autos meines (bisherigen) Lebens und habe es nicht bereut, denn - so glaube ich - habe ich es mir verdient.

Ergänzung, Februar 2010. So schnell können also vier Jahre vergehen. Eben noch vom neuen, ersten Cabrio meines Lebens, geschwärmt, befinde ich mich nun schon im Besitz den zweiten Cabrios. Dieses ist ein etwas weniger luxeriös, aber dafür umso sportlicher. Das neue Cabriolet ist das Nachfolgemodell meines bisherigen Peugeot 206CC und heißt Peugeot 207CC. Außerdem ist es eine Sportausführung namens "RC-Line" Im Gegenzug zu wegfallenden Luxus-Equipment verfügt mein neues Cabrio nun über eine Einparkhilfe und eine unglaublich mächtige Soundanlage (JBL Soundsystem). Der größte Unterschied, der für mich wirklich wichtig war, ist aber die stärkere Motorleistung. Statt 109 PS bin ich nun Herr über 150 PS und kann statt maximal 195 km/h nun weit über 210 km/h über die Autobahn rasen. In Abwandlung eines 28 Jahre alten NDW-Hits von Markus möchte ich (im offenen Verdeck natürlich) singen: "Mein Peugeot fährt 210, schwupps die Polizei hat's nicht gesehen. Ich hab' Spaß..."

Peugeot 307CC Baujahr 2008
Drittes Cabrio, achtes Auto   
Peugeot 307CC aus dem 2008   
Foto vom April 2011   

Ergänzung, März 2010. Wie gewonnen, so zerronnen. Ich hatte diese Redensart immer für einen dummen Spruch gehalten, doch nun habe ich genau das erlebt. Autounfall und Totalschaden. Und dabei kann ich noch froh sein, diese Zeilen schreiben zu können. Denn wie es bei Unfällen so ist, hätte ich um ein Haar tot sein können. Weniger als eine einzige Sekunde, die über Leben und Tod entscheidet. Dabei ist es gerade mal einen Monat her, daß ich mir ein neues Auto zugelegt hatte. Ich schwärmte da noch in den höchsten Tönen über das tolle neue Cabrio und auch darüber, daß ich mir eigens für Geo als Nummerschild ein Wunschkennzeichen ausgesucht hatte. Wie gewonnen, so zerronnen. Aber so einfach ist es nun doch wieder nicht. Jedenfalls - wie schon beim ersten Autounfall mit "Totalverlust" - habe ich entschieden, mir vorerst kein Auto mehr zuzulegen. Zuwenig habe ich ein Auto in den letzten Jahren gebraucht, aber zu viele Steuern, Gebühren und Kreditraten gezahlt, von der allgegenwärtigen Umweltbelastung einmal ganz abgesehen. Doch den eigentlich Anlaß für diese Entscheidung war dann die Tatsache, in dem besagten Unfall beinahe einen Menschen getötet zu haben. Und so sehe ich das Ganze als ein Zeichen und als Sünde, würde ich dieses Zeichen einfach übersehen.

Audi TT Roadster TFSi S-Line, Baujahr 2015
Viertes Cabrio, neuntes Auto   
Audi TT Roadster TFSi S-Line aus dem Jahr 2015   
Foto vom März 2016   

Ergänzung, Mai 2011. Egal was im Leben auch passiert, es geht irgendwie weiter. Die Betonung liegt auf "geht", denn nach meinem schlimmsten Autounfall meines Lebens (auf meiner Webseite berichtete ich ausführlich darüber) entschied ich mich, vorerst kein Auto mehr anzufassen, nachdem meine Unfallgegnerin und ich hätten tot sein können, aber fast unbeschadet aus den zwei total zerstörten Cabrios gestiegen sind. Man soll das Glück und sein Schicksal nicht zu sehr herausfordern und so verordnete ich mir - neben der gerichtlichen - meine eigene Strafe von 14 Monaten Führerscheinentzug. Vielleicht hätte es auch noch länger dauern können, aber wenn man nicht mehr Single ist, möchte man seiner Angetrauten auf Dauer mehr bieten als - oft nervige - Fahrten mit Bahn und Bus in die nahe Kölner Umgebung, von der man bald jedes Fleckchen kennt. Und so suchten und fanden wir gemeinsam ein Auto, das zwar auch wieder ein Peugeot und ein Cabriolet war, aber etwas größer und älter. Ein drei Jahre alter Cabrio-Gebrauchtwagen mit nur 24.000 km für 14.000 Euro im allerschönsten Frühling zu finden, ist mehr als ein Schnäppchen. Es ist schon fast so etwas wie Glück. Und Geo, für die dieser Peugeot 307CC ihr Traumwagen war, hat mir vielleicht dieses Glück gebracht. Hoffen wir, daß dies auch in Zukunft auf den Straßen dieser Welt anhalten möge.

Ergänzung, März 2016. In der Tat hat uns das letzte Auto eine lange recht glückliche Zeit beschert: fast exakt fünf Jahre ich mit dem Peugeot 307CC ca. 36.000 km zurückgelegt, war damit in halb Deutschland unterwegs, aber auch in Belgien, Holland, Schweden und Dänemark. Aufgrund eines kleinen Unfalls mit kleinen Blech-, aber großen Motorschadens, musste ich ihn ein Jahr vor der geplanten Zeit, verschrotten. Aus einem gewissen Zwang heraus, fügte ich mich fast schon schicksalshaften Entscheidung, und erwarb mir gleichzeitig einen nagelneuen Audi TT - Vorführwagen. Das teuerste, stärkste und schönste Auto, das ich je gehabt habe. Eine Steigerung kann eigentlich nur noch ein Porsche sein. Aber wer weiß...? Doch "erst einmal" bin ich mehr als zufrieden mit dem Hightech-Power-Car, das mir und Geo unglaublich viel Freude bereitet. Eine Augenweide für Geo und ein Power-Verstärker für mich. Oder so ähnlich jedenfalls.