Katzenjammer...

Katzen

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Obwohl von klein auf an Katzen gewöhnt, fiel es mir gar nicht so leicht, die Rassekatze meiner damaligen Freundin Antje ins Herz zu schließen. Rassekatzen, allem voran diese langhaarigen "Perser" hielt ich bis dato für verwöhnte und lebensuntüchtige Biester. Das Vorurteil hielt sich aber keine Woche, dann mochte ich Tracy, wie "die erste Rassekatze in meinem Leben" hieß, immer mehr um mich haben. Allerdings dauerte es noch einmal gut ein Jahr, bis ich dann den Wunsch hegte, selbst eine haben zu wollen. Schließlich bedeutet so eine Hauskatze viel Verantwortung und verlangt einem auch so einiges an Arbeit ab.

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Doch am Ende siegte das Gefühl über jede praktische Erwägungen: Weihnachten 1991 lag als lebendes Geschenk ein graues flauschiges Etwas auf meinem Gabenteller.Und wenn man ahnt, was so eine echte Rassekatze kostet, weiß man das Geschenk doppelt zu schätzen. Aber Tappy, wie ich meinen "Perser" nach seiner Farbe blue-point-tappy benannte (entnommen dem Katzenausweis), verlangte eine Menge Pflege und Betreuung, auch wenn er schon ganz gut alleine mit dem großen Bruder Tracy Zeit verbringen konnte.

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Leider hält nichts ewig: und so trennte ich mich 1996 von Antje und Tappy von Tracy. Tappy steckte die Trennung aber offenbar nicht so gut weg wie ich und wurde etwas verschlossener und viel trauriger. Das weckte in meiner nächsten Freundin Tanja Mitleid und so schenkte sie mir anderthalb Jahre später - diesmal war mein Geburtstag der Anlaß - die nächste Katze - erstmals ein Vertreter des weiblichen Geschlechts. Ich nannte sie Tassy. Im Mischling aus Perser und Hauskatze hatte Tassy Vornehmheit und Einfachheit praktisch vereint, und wurde ein richtig liebes Geschöpf.

Als Tappy im April 2000 starb, hatte mich das so sehr getroffen, daß ich mir damals schwörte, mir nie wieder ein Tier zuzulegen, zumal die Art des Todes, ein über Nacht aufgetretenes Krebsgeschwür am Hals, mehr als grausam war. Am Ende bekam Tappy kaum noch Luft und konnte nicht mal mehr flüssige Nahrung zu sich nehmen. Ein Bonner Tierarzt operierte ihn zwar, aber die Operation verlief aussichtslos Mit Tränen in den Augen sah ich zu, wie Tappy, der noch in der Narkose war, eingeschläfert wurde. Dabei schien Tappy, als ich ihn dem Tierarzt brachte, genau zu wissen, daß nun Hilfe kommen würde. Mit dieser Überzeugung ließ ich ihn sterben. Am Nachmittag des selben Tages habe ich meinen treuen Gefährten an einen sonnigen Waldstück begraben.

Katzenjammer...

Tassy verkraftete die Trennung von Tappy noch schwerer als einst Tappy von Tracy. Weil ich wegen der Arbeit bis zu 13 Stunden am Tage nicht zuhause war, vereinsamte sie zunehmends. Und als dann noch ein Umzug hinzukam, wurde Tassy so psychisch labil, daß sie sogar in ärztliche Betreuung mußte, da sie sich ihr komplettes Fell ausriß. Doch zum Glück konnte sie sich wieder fangen, das Fell wuchs auch komplett wieder nach und sie wurde ein ganz normales Kätzchen. Gerettet hat sie wohl die "verlorene Einsamkeit", denn in den Jahren nach dieser Zeit, in der sie in einer großen Familie lebte, war immer etwas los, oft mehr als ihr lieb war. Auf alle Fälle aber war sie von nun an ordentlich abgelenkt und damit zufrieden.

Meine Sorgen, daß Tassy rückfällig werden könnte, als ich Jahre später wieder Single wurde und auch erneute Umzüge hinzukamen, bestätigten sich nicht. Hatte Tassy vielleicht einfach zuviel erlebt, als daß die Änderungen sie noch großartig hätten schocken können? Nun kann Tassy sogar noch ein hohes Katzenalter erreichen, denn beim Schreiben dieser Zeilen (im Februar 2009) ist sie bereits fast elf Jahre alt, was für Katzen schon das "Rentenalter" bedeuten dürfte... Aber wenn ich Tassy manchmal noch umhertollen und -springen sehe, dann habe ich die Hoffnung, daß sie mir noch viele weitere Jahre erhalten bleibt, zumal sie ja auch eine ordentliche medizinische Versorgung (einschließlich Zahnarzt...) genießt. Eigentlich haben wir zwei einiges gemein: wir werden älter, umgänglicher und ruhiger und werden damit jedem Tag ein eingespielteres Team...

Nachtrag, Oktober 2014: Katze Tassy ist gestorben. Und damit endet ein großes Kapitel, das mein halbes Leben angedauert hat. Ich habe jetzt viel mehr Unabhängigkeit in meinem Alltag, vor allem, wenn es um spontane Reise geht, aber eben auch viel mehr Einsamkeit, denn ich habe mich mehr als nur daran gewöhnt, welche Erhöhung der Lebensqualität so eine Katze bedeutet, vor allem wenn man alleine oder Single ist. Meine Katzen haben mich in einsamen Stunden oft sehr getröstet, worüber ich sehr dankbar war und was ich auch nie vergessen werde. Ein neues Haustier zulegen werde ich mir wohl dennoch nicht mehr, denn wer zweimal ein Tier hat sterben sehen müssen, das einem so sehr ans Herz gewachsen war, möchte das wahrlich kein drittes Mal erleben. Zumal der Schmerz, wie ich jetzt erfahren durfte, umso stärker wird, je älter man ist.