Briefe

Wenn der Postmann zweimal klingelt...

In all' den Jahren habe ich mich mit Dutzenden von Freunden, Bekannten, Verwandten geschrieben und dabei kamen gut Tausende von Briefen zusammen. Irgendwann "jenseits" der 3000sten Post habe ich aufgehört zu zählen. Angefangen hatte meine Briefleidenschaft - wie konnte es anders sein?! - damit, daß ich, gerade mal 15 Jahre alt, auf Anzeigen von Mädchen geantwortet hatte und dabei auch gar nicht so erfolglos war. Man weiß ja wie das ist, wenn man jung und verliebt ist: man hat jede Menge Energie und ein Brief ist schnell gefüllt. Am Ende aber haben diese Kontakte zwar Bekanntschaften, aber niemals die große, Liebe, ja nicht mal eine langfristige Beziehung gebracht. Darin stimmten übrigens alle Brieffreundschaften überein: von Dauer waren sie nie. Bis auf eine Ausnahme.

Im Dezember 1980 bekam ich einen Brief, der hinten und vorne voll der selben Krixeleien war: "Es ist wahr!!!" stand da geschrieben und auf den Absender geschaut, hatte ich das Gefühl, schon einmal den Namen gehört zu haben, und beim Lesen des Briefes wurde mir auch klar, woher. Jonny lebte im selben Dorf, in dem auch ich einst "verweilte", er ging mit mir in den selben Kindergarten und wir hatten viel Zeit miteinander verbracht. Allerdings - und das ist das Lustige daran - zogen Jonnys Eltern, die in der Landwirtschaft tätig und dadurch ständig am Umziehen waren, bereits wieder weg, als Jonny selbst gerade mal sechs Jahre alt war. Normalerweise sieht man sich in so einem Falle nie wieder. Nicht so bei Jonny.

Manchmal bringt er die Briefe auch selber vorbei / Jonny in Delitzsch, April 1997
Manchmal bringt er die Briefe auch selber vorbei  
Jonny in Leipzig, Januar 1998  

Mittlerweile bereits am vierten Wohnort, waren seine Eltern wieder ganz in unsere Nähe gezogen, und Jonny las einmal in der Kreiszeitung etwas über den Ort, wo er mal und ich noch war. Und dann kam ihm die Idee, mir einfach mal ein Lebenszeichen zu geben. Und das war dann besagter Brief. Da waren wir beide gerade mal 16 Jahre alt geworden, doch aus einem lockeren Hin und Her von Briefen ein oder zweimal im Monat hatte sich nur wenige Jahre später ein so reger Briefverkehr entwickelt, daß wir begonnen hatten, die Briefe zu numerieren und zu zählen. Da wir alle Briefe zum Glück aufgehoben hatten, fiel uns das auch ganz leicht. Trotz immer neuer Umzüge, denn Jonny war darin wie seine Eltern und übertraf damit auch mich, und immer mal wiederkehrender Schwierigkeiten mit der Post, wechselten unsere Briefe pausenlos den Absender, um 15 Jahre später die stattliche Zahl von 500 geschriebenen Briefen pro "Nase" zu erreichen.

Das war dann auch die Zeit, in der uns die Idee kam, vielleicht doch einmal ins Guinness-Buch der Rekorde zu gelangen. Also machten wir uns schlau und in der Ausgabe von 1997 konnte ich lesen, daß den bisherigen Rekord ein Japaner hät, der (nachgewiesene) 1316 Briefe an seine Frau schrieb und damit Dutzende Aktenordner füllte. Was der konnte, konnten wir doch auch. Dabei mußten wir uns gar nicht mal umstellen, denn mittlerweile hatten wir eine Briefintensität von fünf Briefen pro Monat und Person erreicht. Daß der Rekord fallen würde, war also nur eine Frage von ein oder zwei Jahrzehnten... Doch darin irrten wir, denn bereits 2004, nicht mal sieben Jahre später, hatten wir bereits die tausendste(!) Post erreicht, so daß wir - im Dezember 2005 soeben den 25sten Jahrestag unserer Brieffreundschaft absolviert - spätestens in weiteren fünf Jahren den "großen Moment haben könnten. Nur der Tod, die Abschaffung der Post aufgrund zu starker Konkurrenz wegen eMail und Internet oder ein Porto von zehn EURO pro Brief (warten wir's mal ab...) werden uns daran hindern. So sei es denn...

Nachtrag Dezember 2010: So schnell vergeht die Zeit. Nach fünf Jahren gibt es also wieder einen Webseiten-Eintrag, der unserer Brieffreundschaft gewidmet ist. Denn nun ist das nächste Jubiläum gefallen, sind 30 Jahre Brieffreundschaft geschafft. Das Porto liegt noch immer bei 55 Cent pro Brief und obwohld die Deutsche Post inzwischen den Service des Online-Briefes anbietet, haben wir bis zum Guinessrekord in guter alter "manuellen Manier" durchgehalten und die Tradition schriftlich fixiert. Nun wird es keine fünf Jahre mehr dauern, bis an selber Stelle stolz der Eintrag ins Guinessbuch verkündet werden wird. Hoffentlich kommt es nicht anders und dafür so wie man denkt...

Die tausendste Post

Mein lieber Jens, es ist soweit,
wir haben diese Zahl geschafft
und dabei fiel es uns sehr leicht,
denn Laune hatten wir und Kraft.

1000 Briefe sind eine starke Zahl
und vieles haben wir erlebt.
Dabei war’s Leben auch mal Qual,
doch öfter noch sind wir geschwebt.

Da denkt man sich, mein lieber Mann,
wo ist denn bloß das Leben hin?!
Und daß es eigentlich nicht sein kann
Man hofft auf einen guten Sinn.

Nun also ist's erreicht, erhebe’s Glas.
Wir werden immer Briefe schreiben
mit richtig Power und viel Spaß.
Damit will John für heut' verbleiben.

Briefe zwischen Jonny und mir

wann Briefanzahl zwischen
Dezember 1980 001 Neustadt/Orla - Seisla
Mai 1984 100 Dessau - Dresden
November 1986 200 Dessau - Leipzig
März 1989 300 Großzöbern - Delitzsch
Januar 1993 400 Oberschleißheim - Langburkersdorf
Dezember 1995 500 Neunkirchen - Delitzsch
April 1998 600 Königsbrunn - Leipzig
August 1999 700 Augsburg - Köln
Januar 2001 800 Augsburg - Köln
August 2002 900 Augsburg - Leverkusen
Februar 2004 1000 Augsburg - Berlin
Januar 2006 1100 Augsburg - Leverkusen
März 2008 1200 Augsburg - Köln
Mai 2010 1300 Augsburg - Köln
Juli 2012 1400 Augsburg - Köln
August 2014 1500 Augsburg - Köln
Dezember 2016 1600 Augsburg - Köln
Januar 2019 1700 Augsburg - Köln